Was ich aus 35 Jahren auf der Bühne für freie Trauungen gelernt habe

Freie Rednerin Ulrike Adler-Wiegele

Vor einer freien Trauung werde ich manchmal gefragt, ob ich aufgeregt bin.

Die Antwort lautet: Nein.

Nicht, weil mir dieser Moment gleichgültig wäre. Ganz im Gegenteil. Sondern weil ich viele Jahre auf Bühnen verbracht habe und dort etwas gelernt habe, das mich bis heute begleitet.

Bühnen haben mich gelehrt, einen Raum zu lesen.

Zu spüren, wann Menschen bereit sind zuzuhören. Wann ein Moment Stille braucht. Wann Humor gut tut. Und wann Worte genügen, ohne dass man noch etwas hinzufügen muss.

32 Jahre lang habe ich meine Tanzakademie geleitet. Über 20 Jahre durfte ich Charity-Galas für den ORF organisieren und moderieren. Dabei habe ich erlebt, dass gute Dramaturgie nie Selbstzweck ist. Sie gibt Menschen Orientierung und lässt sie den Moment bewusst erleben.

Genau dieses Wissen begleitet mich heute als Traurednerin.

Eine freie Trauung besteht nicht nur aus einer schönen Rede. Sie lebt von Übergängen, von Timing und von dem Gefühl, dass alles selbstverständlich wirkt, obwohl jedes Detail gut vorbereitet ist.

Das bedeutet nicht, dass jede Minute geplant sein muss. Im Gegenteil. Eine gute Vorbereitung schafft den Freiraum für echte Emotionen.

Wenn Tränen fließen, ein Ringkind spontan etwas Unerwartetes macht oder Gäste lachen, weil eine Geschichte Erinnerungen weckt, entsteht genau das, was ich mir für jede Zeremonie wünsche: Echtheit.

Vielleicht unterscheidet sich genau darin meine Arbeitsweise.

Ich schreibe nicht nur Worte. Ich gestalte den Rahmen, in dem eure Geschichte ihren Platz findet.

Leicht. Persönlich. Und so, dass ihr euch darin wiederfindet.

Denn Worte dürfen leicht sein und trotzdem alles sagen.

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Warum eine gute Zeremonie mehr mit Timing als mit schönen Worten zu tun hat

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